Tuesday, December 29, 2009

Millionenbetrug? Razzia bei Lübecker Krankenkasse

Im Fokus der Ermittlungen steht der Vorstand der IKK Nord in Lübeck. Die Staatsanwaltschaft Kiel wirft dem 47-Jährigen Korruption, Steuerhinterziehung und Untreue „in einem besonders schweren Fall“ vor. Mit dubiosen Geschäften soll er gemeinsam mit sechs weiteren Verdächtigen Millionenschaden angerichtet haben, bestätigt Kiels Oberstaatsanwalt Uwe Wick.

Der Vorstand der IKK Nord war bis Ende vergangenen Jahres gleichzeitig auch Chef der Internet-Krankenkasse IKK-Direkt. In dieser Zeit soll der Beschuldigte überhöhte Provisionszahlungen an einen Finanzdienstleister für die Werbung neuer Versicherter gezahlt haben. Üblich sind in der Branche Erfolgsprämien von 70 Euro – die IKK-Direkt zahlte 150 Euro. Zugleich soll der 47-Jährige nach LN-Informationen gezielt gegen Steuervorschriften verstoßen haben: So seien Überstunden von Mitarbeitern der IKK Nord als 400- Euro-Jobs über die IKK-Direkt abgegolten worden. Schließlich sollen Darlehen im zweistelligen Millionenbereich geflossen sein, die die IKK-Direkt von der IKK Nord und dem Landesverband der Innungskrankenkassen erhielt.

Den Stein ins Rollen brachte die Techniker Krankenkasse (TK), die zum Jahreswechsel 2009 mit der Internet-Krankenkasse fusioniert war. Bei der Prüfung der Bücher waren Unregelmäßigkeiten entdeckt worden, woraufhin die TK das Bundesversicherungsamt in Berlin einschaltete. Der Lübecker Hauptverdächtige, der ursprünglich mit in den neuen Vorstand der Techniker Krankenkasse gewechselt war, musste dort bereits Anfang Februar seinen Posten räumen.

Nach monatelangen Ermittlungen schlugen die Fahnder jetzt zu: Beamte des Landeskriminalamtes beschlagnahmten kistenweise Beweismaterial. Neben der Zentrale der IKK Nord in Lübeck wurden die Zweigstellen in Kiel, Rostock und Neubrandenburg gefilzt. Die Hauptverwaltung der Techniker Krankenkasse in Hamburg ist ebenfalls durchsucht worden, bestätigte ein Sprecher der mit 7,2 Millionen Mitgliedern größten deutschen Krankenkasse. Neben Geschäftsräumen wurden auch private Wohnungen durchsucht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt neben dem Lübecker Betriebswirt gegen sechs weitere ehemalige Mitarbeiter. Entgegen ersten Gerüchten befinden sich alle Verdächtigen weiterhin auf freiem Fuß. „Ein Haftbefehl wurde nicht vollstreckt“, so Oberstaatsanwalt Wick. Die IKK Nord in Lübeck zog vorerst keine Konsequenzen aus den Strafermittlungen gegen ihren Vorsitzenden. Seite 7
Von Bastian Modrow

Source

No comments:

Post a Comment